Freitag, 27. Mai 2011

IWF: Ein Kapitän geht von Bord der Europa

Das Schiff "Europa" schwimmt in schweren Gewässern. Noch weiß man nicht, wie man die Tsunami -Welle nimmt, breitseits oder mit dem Bug quer  hindurch. Beide Manöver sind gefährlich, eines tödlich.

Der IWF hat in Erwägung gezogen, die Auszahlung der nächsten Tranche des Milliardenkredits  an Griechenland unter Vorbehalt zu stellen. Das ist nichts Neues, denn eigentlich waren die ausgehandelten Auflagen verbindlich und damit der Vorbehalt formuliert. Die Änderung in der Situation hat sich aus einer Neubewertung der Situation Griechenlands und einer Risikoanalyse, die negativ ausgefallen ist, ergeben.

Ebenfalls ist nun klar und deutlich zu sehen, dass der IWF ohne Strauss-Kahn zu einer anderen Handlungsweise tendiert, was die Überlegung zulässt, dass der ehemalige IWF-Chef parteiisch pro domo (Europa) und in erster Linie für sich selbst und seine französischen Ambitionen eingetreten ist und dieses durchsetzen konnte.

Unter der Führung des IWF durch seinen Vizedirektor John Lipsky kehrt man in der Organisation zu einem Handeln zurück, das ihre Grundsätze wieder in den Vordergrund rückt.

Im weltwirtschaftlichen Bereich ist Sensibilität angesagt, nicht so sehr die Sensibilität in Bezug auf Handlungsschemata, sondern vorrangig auf das sensible Antizipieren von Ereignissen. Daraus ergeben sich Aktionen, die weltwirtschaftliche Konsequenzen haben.

Man kann darüber nicht streiten, ob der IWF das Kapitänspatent in der Euro-Krise innehat, oder ob ihm die zweite Rolle des Steuermanns zukommt, denn Deutschland hat klar durchgesetzt, dass Hilfen zur Rettung der maroden EU-Staaten nur dann geschehen, wenn der IWF "mit ins Boot" geholt wird. Deutschland hat damit das Oberkommando dem IWF aus gutem Grunde abgetreten. Die deutsche Kanzlerin Merkel hat sich festgelegt: keine Finanzhilfen ohne den IWF.

"Laissez faire, laissez passer"  ist eine Alternative wirtschaftlichen Handels. Ist sie die Richtige in unserer Zeit, in der Situation, in die uns die Illusion der Schaffung dieses Europas hinein getrieben hat? Die immer größer werdende Komplexität lässt nicht zu, dass in unserer Zeit ein Pseudostaatsmechanismus etabliert wird, der weder kalkulier- noch beherrschbar ist.

Es sind nicht die Ratten mit ihrer negativen Konnotation, die das Motorschiff Europa verlassen, es ist die Bretton-Woods-Institution IWF.

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